Festo Challenge: Principle to Product
Die mechanischen Prinzipien der Rotation (Drehung) und Translation (lineare Bewegung) sind Grundlage zahlreicher Lösungen in der Automation. Durch die Umstülpung eines Körpers entdeckte der Künstler und Techniker Paul Schatz 1929 eine neue kinematische Grundbewegung: die räumliche Inversion.
Ideenwettbewerb für Studenten
Um dieses Phänomen genauer zu untersuchen, lobte das Bionic Learning Network von Festo gemeinsam mit dem Rat für Formgebung zur Hannover Messe 2012 einen deutschlandweiten, interdisziplinären und mit insgesamt 33.000 Euro dotierten Ideenwettbewerb für Studierende der Bereiche Design und Ingenieurwissenschaften aus. Gesucht wurde bei der Festo Challenge: Principle to Product eine kreative Idee für eine funktionale Anwendung der Inversion im industriellen Umfeld.
Wo und wie lässt sich Inversion in der Industrie einsetzen?
Was kann das Prinzip der Umstülpung im Bereich der Bewegung ermöglichen? Welche funktionellen Lösungen im industriellen Umfeld sind denkbar? Diesen Fragen haben sich 75 Studierende gestellt und ihre Ideen eingereicht, aus denen die Jury fünf Gewinner ermittelt hat.
Die fünf Gewinnerarbeiten zum Bewegungsprinzip der Inversion im Überblick:
1. Preis
Projekt: HOCHDREI Verpackungsmaschine
Eingereicht wurde es von drei Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal, Ann Julea Rajahkumar, Andreas Michel und Daniel Strohbach.
Die Idee:
Entwicklung einer Verpackungsmaschine, die zeitgleich in drei Foliensträngen Schüttgüter verpacken kann. In einem kompletten Inversionsablauf werden zwölf Tüten produziert, dabei finden immer drei Schweißvorgänge parallel statt. Das Befüllen, Verschweißen und Trennen der Tüten erfolgt in einem Arbeitsgang. Die dreieckige Tütenform ist bedingt durch die Inversionskinematik. Der Antrieb des Systems erfolgt über zwei Torquemotoren, elektrische Direktantriebe.
2. Preis
Projekt: Architektur & Musik - Dynamic Acoustics
Einreichung durch den Architekturstudenten Matthias-Gabriel Kalfoglou der Universität Stuttgart, Fachbereich Architektur.
Die Idee:
Gestaltung eines akustischen Systems, das flexibel auf die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten und die Ansprüche der Musiker angepasst werden kann. Basierend auf dem umstülpbaren Würfel, wurde ein Modul entwickelt, das mehrfach unter die Decke eines Raumes gehängt werden kann und welches durch Auf- und Zuklappen optimal auf die akustischen Bedürfnisse und die räumlichen Vorgaben reagieren kann. Das System ermöglicht die Wahl zwischen Konzentration und Diffusion des Schalls.
3. Preis
Projekt: Kalmar – InversionPROpeller
Einreichung durch David Boja, Student der Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.
Die Idee:
Grundlage dieser Idee ist es, die Inversion in ein Rückstoßprinzip zu übersetzen. Damit kann ein Objekt angetrieben werden. Hierfür wird die Inversion durch zwei Faltbalge ergänzt, die Wasser ansaugen und ausstoßen.. Schließen sich die Flächen des Inversionswürfels, schließen sich auch die Balge und es entsteht ein gebündelter Wasserstrahl, der auf die gegenüber liegende identische Konstruktion trifft. So entsteht ein pulsierender Wasserstrahl über die gleichmäßig rotierenden Achsen und es wird ein Vortrieb erzeugt.
4. Preis
Projekt: Stereometrisches Oloidportal
Einreichung durch Florian Haizmann und Moritz Spielberg, Studierende an der Hochschule Esslingen, Fachbereich Automatisierungstechnik und an der Köln International School of Design.
Die Idee:
Das Stereometrische Oloidportal ist ein Raumportal, das z. B. für Pick-and-Place-Anwendungen eingesetzt werden kann. Das Neuartige an dieser Lösung ist, dass mit nur zwei rotatorischen Antrieben eine Bewegung durch einen dreidimensionalen Raum möglich wird – auf einer definierten Bahn.
4. Preis
Projekt: Adventskalender 24
Einreichung durch Malte Licht und Uli Feuersänger von der Universität der Künste Berlin, Fachbereich Gestaltung.
Die Idee:
In der Herstellung des Adventskalenders wird das mit Schokolade gefüllte Inlay auf den ausgestanzten Druckbogen aufgeklebt. Anstatt den Karton wie üblich zu falten, wird er verdreht und an den Laschen verklebt. Es entsteht der umstülpbare Würfel als Kalender – über die Inversion kann man nach dem richtigen Türchen suchen.