Prof. Dr. Peter Post, Leiter von Corporate Research and Programme Strategy bei Festo, im Interview.
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Sie sprechen von dezentraler Intelligenz in der Produktionsanlage …
… ja, genau. Dezentrale Intelligenz heißt für die Produktion der Zukunft, dass Aufgaben, die heute noch der zentrale Leitrechner innehat, in Zukunft von der Komponente übernommen werden. So könnte bei einer Komponente all das, was zur Steuerung eines einzelnen Teilauftrags erforderlich ist, in der Kleinsteuerung vor Ort in der Komponente durchgeführt werden. Diese dezentrale Anlage muss nur noch kommunizieren „Ich bin fertig“, wenn sie fertig ist.
Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Nehmen wir den Joghurtbecher, der an die Befüllstation kommt. Die Station erhält die Meldung „Der Joghurtbecher ist jetzt da, fülle diesen Joghurtbecher“. Der leere Becher wird von der Station erkannt, sie fordert an der Mischstation die entsprechende Menge Joghurt an und befüllt den Becher. Wenn er fertig gefüllt ist, detektiert die Station den Füllstand, schaltet die Füllung ab und sagt zur nächsten Station „Der Joghurtbecher ist voll, bitte übernehme und setze den Deckel auf“. Dieser Ablauf erfolgt ohne Eingriff einer übergeordneten Steuerung.
Und wo steht der Mensch in der Produktion der Zukunft?
Die Produktion der Zukunft müssen wir verstehen als ein sozioökonomisches System. Mensch und Technik wandern immer mehr zusammen. Die Technik wird intelligenter und adaptiver und ist zunehmend in der Lage, sich auf veränderliche Randbedingungen und auch auf Eingriffe des Menschen jederzeit einzustellen. Wir werden nicht überall vollautomatisierte Prozesse haben, stattdessen veränderliche Prozesse und hier ist die Möglichkeit des Menschen gefragt, direkt mit der Technik zu kommunizieren über Joysticklösungen, über Sprache bis hin zur Steuerung von Teilabläufen per Gedanken. Das heißt Technik muss den Menschen verstehen, der Mensch muss die Technik verstehen und das auf eine intuitive Art und Weise.
Aber auch für gesellschaftliche Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und das damit verbundene steigende Durchschnittsalter von Arbeitnehmern müssen zukünftige Produktions- und Arbeitswelten Lösungen bieten. Es gibt eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, die den Menschen bei der körperlichen Montagearbeit unterstützen, die ihn zum Beispiel von Muskelarbeit entlasten und Bewegungsabläufe vereinfachen. In diesem Verständnis verhilft die Maschine dem Menschen zu einer höheren Produktivität und erhält und erweitert seinen Aktionsradius.
An welcher Stelle genau verorten Sie die Industrieforschung von Festo im Kontext der Wissenschaft?
Wir sind an der Schnittstelle zu den wissenschaftlichen, anwendungsorientierten Lösungen, die im Bereich von technisch orientierten Forschungsinstituten und Hochschulen entwickelt werden. In dieser Transferfunktion greifen wir die Forschungsthemen auf und setzen sie in den industriellen Kontext von Festo. Auf der anderen Seite sehen wir unseren Auftrag auch darin, der Wissenschaft in einem kontinuierlich geführten Dialog immer wieder Impulse aus der Anwendung zurückzugeben.
Herr Professor Post, eine Frage zu Ihrem Werdegang. Würden Sie den Beruf des Forschers empfehlen?
Jederzeit! Was mich an der anwendungsorientierten Forschung bewegt, ist, anspruchsvolle theoretische Überlegungen mit beiden Beinen auf der Erde in die Praxis umzusetzen. Mein größter Erfolg ist, eine Lösung im Markt realisiert zu sehen, an der wir Jahre lang gearbeitet haben. Wer mit offenen Augen und neugierig in der Welt unterwegs ist, findet im Beruf des Forschers immer wieder Futter, um diese Neugierde zu stillen. Das macht den Beruf faszinierend!
Herr Professor Post, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Julia Duwe, Technical Corporate Communication