Wie sicher ist Ihre Anlage in explosionsgefährdeten Bereichen wirklich? Ein Funke, Leckagen, oder elektrostatische Entladungen können schwerwiegende Folgen haben: von Produktionsstillstand bis zur Gefährdung von Menschen und Umwelt. Besonders bei komplexen Automatisierungssystemen steigt das Risiko, wenn Komponenten nicht normgerecht aufeinander abgestimmt sind. Ein wirksamer Explosionsschutz erfordert daher zertifizierte, international zugelassene Lösungen – zuverlässig in jeder Zone, für jede Branche.
Zuverlässiger Explosionsschutz basiert auf drei Ebenen:
Zusammen gewährleisten sie einen sicheren und effizienten Anlagenbetrieb.
Das IECEx-System ist die weltweit anerkannte Basis für den Explosionsschutz elektrischer Geräte.
Es definiert einheitliche Prüf- und Zertifizierungsverfahren auf Grundlage der IEC-Normen und wird in vielen Ländern als Referenz für nationale Systeme genutzt.
Das sollten Sie über IECEx wissen:
Die ATEX-Richtlinie (2014/34/EU) legt Anforderungen für Geräte und Schutzsysteme in explosionsgefährdeten Bereichen innerhalb der EU fest. Sie beschreibt, wie Anlagen, Komponenten und Zubehör hinsichtlich ihrer Zündquellen, Zonenklassifizierungen und Gerätekategorien bewertet und zugelassen werden.
Das sollten Sie über ATEX wissen:
In den USA und Kanada gelten eigene Systeme zur Klassifizierung explosionsgefährdeter Bereiche: NEC 500 (Class/Division) und NEC 505 (Zone Concept). Zertifizierungen erfolgen durch Organisationen wie UL (Underwriters Laboratories) und FM (Factory Mutual), die unabhängig von IECEx prüfen.
Das sollten Sie über UL / FM wissen:
China hat das nationale CCC Ex-System (China Compulsory Certification – Explosion Protection) eingeführt, das die frühere NEPSI-Zulassung ersetzt. Die Zertifizierung ist für den chinesischen Markt verpflichtend und basiert auf nationalen GB-Standards, die aus den IEC-Normen abgeleitet sind.
Das sollten Sie über CCC Ex / NEPSI wissen:
Das brasilianische INMETRO-System ist an IECEx angelehnt, schreibt aber eine lokale Prüfung durch akkreditierte Stellen (OCP) vor. Für den Betrieb elektrischer Geräte in Ex-Zonen ist eine INMETRO-Zertifizierung zwingend erforderlich.
Das sollten Sie über INMETRO wissen:
KOSHA (Korea Occupational Safety and Health Agency) zertifiziert Geräte für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen. Die Anforderungen orientieren sich an IECEx, verlangen aber zusätzliche nationale Prüfungen und Kennzeichnungen.
Das sollten Sie über KOSHA wissen:
In Indien regelt die Petroleum and Explosives Safety Organisation (PESO) den Explosionsschutz für Geräte in gefährdeten Atmosphären. Die Zertifizierung ist gesetzlich vorgeschrieben und basiert auf IECEx-Standards mit zusätzlichen nationalen Anforderungen.
Das zeichnet PESO aus:
TIIS (Technology Institution of Industrial Safety) ist das nationale Prüfsystem Japans für Geräte in explosionsgefährdeten Bereichen. Die TIIS-Zertifizierung ist für den Marktzugang verpflichtend und stellt sicher, dass Produkte den japanischen Sicherheitsstandards entsprechen.
Das sollten Sie über TIIS wissen:
Das ANZEx-System basiert auf den IECEx-Normen, ergänzt um landesspezifische Prüf- und Kennzeichnungsvorgaben. Es ist die nationale Zertifizierung für den Explosionsschutz elektrischer Geräte in Australien und Neuseeland.
Das zeichnet ANZEx aus:
In explosionsgefährdeten Bereichen wird nach Häufigkeit und Dauer des Auftretens einer explosionsfähigen Atmosphäre unterschieden. Die richtige Zoneneinteilung ist entscheidend, um passende Komponenten auszuwählen und das Risiko einer Zündung zuverlässig zu vermeiden.
In Zone 0 liegt dauerhaft oder über längere Zeiträume eine explosionsfähige Atmosphäre vor – etwa im Inneren von Tanks, Rohrleitungen oder Reaktoren. Damit ist diese Zone sicherheitstechnisch besonders kritisch und erfordert höchste Anforderungen an Material, Abdichtung und Temperaturbeständigkeit. Nur speziell zugelassene Geräte und Sensoren dürfen hier eingesetzt werden, die auch bei Dauerexposition keine Zündquelle darstellen.
Bereiche, in denen explosionsfähige Gase oder Dämpfe im Normalbetrieb regelmäßig auftreten, werden als Zone 1 klassifiziert. Das ist etwa bei Befüll- und Entleerprozessen, in Gasverteil- oder Mischsystemen oder bei Produkttransfer zwischen Reaktoren und Lagertanks der Fall. Geräte müssen hier so konstruiert sein, dass sie auch bei häufigem Kontakt mit explosionsfähiger Atmosphäre keine Zündung verursachen.
Zone 2 beschreibt Bereiche, in denen explosionsfähige Gase, Dämpfe oder Nebel nur kurzzeitig und unregelmäßig auftreten – zum Beispiel bei Leckagen oder in der Umgebung von Kompressoren und Rohrsystemen. Hier genügen Geräte, die unter normalen Betriebsbedingungen sicher arbeiten und auch bei Störungen keine Zündquelle darstellen.
Zone 20 beschreibt Bereiche, in denen explosionsfähige Staubatmosphären ständig oder häufig vorhanden sind, etwa in Silos oder Filteranlagen. Hier gelten die gleichen strengen Anforderungen wie bei Zone 0 für Gase: Alle Geräte müssen gegen Staubablagerung, Hitzeentwicklung und elektrostatische Aufladung geschützt sein.
In Zone 21 tritt eine explosionsfähige Staubatmosphäre im Normalbetrieb regelmäßig auf, beispielsweise bei Abfüllanlagen, Mischern oder in der Nähe von Austragssystemen. Geräte müssen hier staubdicht und hitzebeständig ausgeführt sein, um eine Zündung zu verhindern.
Zone 22 umfasst Bereiche, in denen nur gelegentlich explosionsfähige Staubatmosphären auftreten – z. B. bei Verpackungs-, Lebensmittel- oder Förderanlagen. Hier werden Komponenten eingesetzt, die unter normalen Betriebsbedingungen zuverlässig gegen Staub und Temperaturerhöhung geschützt sind.
Explosionsschutz in der Automatisierung beschreibt alle technischen und organisatorischen Maßnahmen, die verhindern, dass in Anlagen mit explosionsfähiger Atmosphäre eine Zündung entsteht. Dazu gehören die richtige Auswahl und Zertifizierung elektrischer und pneumatischer Komponenten, die Zoneneinteilung sowie die Einhaltung internationaler Richtlinien wie IECEx oder ATEX. So wird sichergestellt, dass automatisierte Prozesse auch in kritischen Umgebungen sicher, zuverlässig und normkonform ablaufen.
IECEx ist ein internationales Zertifizierungssystem für Geräte und Komponenten, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden. Es basiert auf den IEC-Normen und sorgt für weltweit einheitliche Prüfverfahren.
Durch die Harmonisierung unterschiedlicher nationaler Vorschriften erleichtert IECEx den Marktzugang und reduziert den Aufwand bei internationalen Projekten.
ATEX ist die europäische Richtlinie für den Explosionsschutz (2014/34/EU). Sie regelt, welche Geräte und Schutzsysteme in der EU in explosionsgefährdeten Bereichen verwendet werden dürfen. Neben der technischen Prüfung nach IEC-Normen schreibt ATEX auch rechtliche Nachweise und eine CE-Kennzeichnung vor.
Details zur Richtlinie finden Sie unter ATEX – Europäische Richtlinie.
IECEx ist ein globales, freiwilliges Zertifizierungssystem, während ATEX die verbindliche EU-Richtlinie darstellt. Beide beruhen auf denselben technischen Normen, unterscheiden sich aber in ihrer rechtlichen Gültigkeit: ATEX ist in Europa Pflicht, IECEx international anerkannt, aber optional.
Geräte mit beiden Zertifizierungen können weltweit eingesetzt werden, denn die zugehörigen Prüf- und Sicherheitsanforderungen sind nach IEC-Normen eindeutig nachvollziehbar.
Eine IECEx-Zertifizierung erfolgt durch anerkannte Prüfstellen, die Komponenten nach internationalen Explosionsschutzstandards prüfen. Hersteller müssen dabei nachweisen, dass ihre Produkte keine Zündquellen darstellen und dauerhaft sicher betrieben werden können. Zertifizierte Prüfstellen (ExCBs) dokumentieren die Ergebnisse in einem öffentlich zugänglichen IECEx-Zertifikat.
Eine Zertifizierung ist immer dann erforderlich, wenn Geräte in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden, also dort, wo Gas-, Dampf- oder Staubatmosphären auftreten können. In Europa ist ATEX gesetzlich vorgeschrieben, während IECEx international als Nachweis für normgerechte Sicherheit dient. Zertifizierte Komponenten sichern nicht nur den Betrieb, sondern auch Haftungs- und Rechtskonformität.
Explosionsschutz und funktionale Sicherheit (SIL) verfolgen beide das Ziel, Risiken in der Automatisierung zu minimieren, jedoch auf unterschiedliche Weise. Explosionsschutz verhindert, dass sich explosionsfähige Atmosphären entzünden. SIL bewertet und reduziert systematische oder zufällige Fehlfunktionen in sicherheitsrelevanten Steuerungen.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Funktionalen Sicherheit (SIL) in der Prozessindustrie.
Beide Bereiche sind Teil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts. Explosionsschutz schützt Anlagen und Personen vor Zündgefahren, Maschinensicherheit schützt sie vor mechanischen oder elektrischen Risiken.
Gemeinsam tragen sie dazu bei, Risiken zu bewerten, zu minimieren und normgerecht abzusichern.
Vertiefende Inhalte dazu finden Sie auf unserer Seite Maschinensicherheit in der Automatisierungstechnik.
ATEX und IECEx beschreiben den Explosionsschutz elektrischer Geräte in gefährlichen Atmosphären, während IP-Schutzarten deren Dichtheit gegen Staub und Wasser kennzeichnen. Beide Angaben ergänzen sich, adressieren aber unterschiedliche Sicherheitsaspekte.