Lernen ist ein Prozess für das ganze Leben. Das stellte die EU-Kommission im Rahmen ihrer bildungspolitischen Aktivitäten für den europäischen Raum des lebenslangen Lernens fest. Lebenslanges Lernen wird hier als jede zielgerichtete Tätigkeit definiert, die einer kontinuierlichen Verbesserung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen dient. Dabei geht es um das gesamte Spektrum von formalem, nicht-formalem bis hin zum informellen Lernen. Das Ziel ist dabei hoch gesteckt: die wettbewerbsfähigste und dynamischste Wissensgesellschaft der Welt zu werden.
Weit gefasst und komplex
Bildung wirkt sich in allen Lebensphasen positiv auf die persönliche Identität, das gesellschaftliche Miteinander und die berufliche Leistungsfähigkeit aus. Aber die Rahmenbedingungen des Lernens ändern sich. Die Lernenden haben veränderte Ansprüche, und es gibt Erkenntnisse in der Lernforschung, die eine neue methodisch-didaktische Konzeption im gesamten Lernkontext bedingen. „Das traditionelle System ist aufzulockern“, verlangt der deutsche Philosoph und Publizist Richard David Precht in Bezug auf Schulen und Universitäten. Er möchte kompetente Personen intensiver in den Unterricht einbeziehen und auch mittels elektronischer Hilfen besser auf den Wissensstand von Schülern und Studenten eingehen. Als Beispiel nennt Precht, dass in Schulen zusätzlich renommierte Praktiker unterrichten sollen, auch solche im Ruhestand. Wissen und Erfahrung würden damit auf direktem Wege von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden.
Neue Lernkonzepte
Stillsitzen, Pauken und Frontbeladung: das klassische Programm gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Modernes Lernen heißt deutlich individueller vorzugehen und neue Projekte zu erproben. Das Vortragen per Frontalunterricht ist nicht mehr die einzige Lehrmethode und es gerät zusehends in die Kritik, denn das neue Lernen löst sich von Ort, Raum und Zeit. Alternative Mischkonzepte wie das Arbeiten in der Gruppe, mit einem Partner oder auch alleine unter Verwendung von neuen Technologien werden favorisiert. Zum Beispiel mit E-Learning, das nicht nur die unabhängige Nutzung, sondern auch die individuelle und flexible Gestaltung von Lernprozessen ermöglicht, um sich den Stoff und das problemlösende Denken besser einprägen zu können. Die Verschmelzung der digitalen Welt mit der Ausbildung ist logisch und darüber hinaus ein kosten- und zeitsparendes Verfahren.
Lernen prägt unser Denken
„Es liegt daran, wie wir auf dieses Leben vorbereitet werden, wie wir erzogen, sozialisiert und letztlich gebildet werden, mit anderen Worten, welches ‚Alphabet‘ wir übergestülpt bekommen, mit dem wir dann ausgerüstet auf und in die Welt losgehen“, sagt Erwin Wagenhofer, der in seinem für das Kino gedrehten Dokumentarfilm „Alphabet“ – mit dem er international Aufsehen erregte – Fehlentwicklungen im Bereich Bildung aufzeigt. Er betont auch: „Was wir lernen prägt unseren Wissensvorrat, aber wie wir lernen, prägt unser Denken.“ Und das ist evident: Der Mensch merkt sich leichter, was ihn ergreift.