Aschewolke und was jetzt?

Videokonferenz

Bild: Cisco

Videokonferenz statt Flug – Airlines entdecken das Telekonferenz-Business. Im Jahr 2014 werden 90 Prozent des weltweiten Datenverkehrs durch Videos verursacht.

Vor einigen Jahren schon haben die diversen Videokonferenz-Anbieter, ob Cisco, Regus oder ProCom die Devise „Telekonferenz statt Flug“ ausgerufen. Erst der Ausbruch eines eigentlich sehr kleinen Vulkans auf Island mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull hat dem Geschäftszweig eine noch nie dagewesene Nachfrage beschert. Business-Center, die mit Videokonferenz-Studios ausgestattet sind, haben ein Buchungsplus um bis zu 38 Prozent verzeichnet, das hat der Anbieter Regus bekannt gegeben.

Telekonferenz

Bild: Cisco

Reisekosten um zwei Drittel senken

Airlines sind mit solchen Entwicklungen freilich alles andere als glücklich, denn Videokonferenzen sind nicht nur in der Krise zu einer ernsthaften Alternative zum Flug geworden.

Eine Pi-mal-Daumen-Rechnung besagt, dass Firmen ihre Reisekosten um zwei Drittel reduzieren können, wenn sie auf Flüge verzichten und auf Telekonferenzen setzen.

 

Um dennoch Kapital aus einer solchen Entwicklung zu schlagen, sind die ersten Airlines bereits dabei, ein zusätzliches Standbein aufzubauen und auch in Videokonferenz-Räume zu investieren: Die holländische KLM hat bereits einen Regionalflug eingestellt und bietet den Passagieren eine Videolösung des amerikanischen IT-Konzerns Cisco an. Cisco hat mit „Telepresence“ eine der gefragtesten Konferenzlösungen im Portfolio. Weitere unprofitable Strecken sollen folgen.

 

Überhaupt sollen viele Videokonferenz-Studios in der Nähe oder auf Flughäfen installiert werden, Cisco ist im Gespräch mit mehreren Airlines, die auf der Suche nach einem zusätzlichen Business-Modell sind.

Videotelefonie @ home

„Im Jahr 2014 werden 90 Prozent des Datenverkehrs Videos sein", prognostiziert Cisco-Chef John Chambers beim Cisco-Partner-Summit in San Francisco. "Video wird die Killer-Applikation."

Jener Dienst im Internet, auf den die Konsumenten regelrecht "abfahren". Schon jetzt sind Videos im Web gefragt, wie das Beispiel YouTube zeigt – pro Tag werden auf diesem Portal eine Milliarde Videos abgerufen. Doch daneben werden sich digitale Filmverleihe, also Online-Videotheken, etablieren, Videos werden teilweise das E-Mail ersetzen und Videokonferenzen werden in einigen Jahren nicht mehr nur im Business-, sondern auch im Privatbereich alltäglich.

 

Cisco wird noch heuer „Telepresence@home“ auf den Markt bringen; eine Lösung, bei der jeder Haushalt in ein Videokonferenz-Studio umgewandelt werden kann. Welche Geräte hinter Telepresence@home stecken, ist noch streng geheim, allerdings werden Flat-TVs im Haushalt zum Konferenz-Screen – man schließt ein kleines Gerät an das TV-Gerät, stellt eine Kamera auf und wird dann gemütlich von der Couch aus mit der ganzen Welt videotelefonieren können.

Reischl

Gastautor Mag. Gerald Reischl

ist Leiter des Technologie-Ressorts „Digital“ der österreichischen Tageszeitung Kurier und Autor mehrerer

Bücher wie etwa „Unter Kontrolle“. Er ist Technologie-Experte des ORF und präsentiert wöchentlich

den „Hightech-Corner“ im Rahmen der ORF-Sendung „Konkret“. Seine Website und seinen

Blog gibt es unter www.reischl.com