Tablets bringen Bewegung ins (Hightech-)Leben

Ein Computer, der aus einem berührungssensiblen Display besteht, der mit den Fingern bedient wird und Bewegung ins Leben bringt, weil er ein Paradebeispiel für Mobilität ist – mit dem iPad hat Apple eine neue Geräteklasse, nämlich den Tablet oder das Pad, zur Marktreife gebracht und einen Hype ausgelöst, wie er in der IT-Welt schon lange nicht mehr da war. Bis zum Frühjahr 2011 wird es dutzende Alternativen zu Apples iPad geben.

Etwa drei Millionen iPads wurden bislang verkauft – es könnten mehr sein, denn Apple hat mit schweren Lieferengpässen zu kämpfen, vor allem bei den 3G-Versionen des Tablets, das nicht nur über WLAN, sondern auch an die schnellen Mobilfunknetze angedockt werden kann, kann Apple die Kundenwünsche nicht befriedigen.

Asus Eee Pad

 

Asus Eee Pad


Die Zeit war reif

Auch wenn Apple als großer Innovator gefeiert wird, die Idee des Tablet-PC ist nicht neu.

Der Run auf den iPad beweist wieder einmal: Man kann zu früh mit einer Innovation sein – oder anders formuliert – Hightech wird nur dann ein Renner, wenn die Zeit reif ist. Bereits 2001 hatte Microsoft den Tablet-PC „erfunden“ – ein tragbarer Computer mit intuitiver Benutzeroberfläche. Er blieb ein Ladenhüter. So wie Siemens SIMpad auch, das ebenfalls 2001 auf den Markt kam, aber ein Ladenhüter blieb. Neun Jahre später schaut die (Hightech-)Welt schon anders aus.

MeeGo

 

MeeGo


Paper goes Tablet

Aufgrund der einfachen Bedienung und dem Magazin-ähnlichen Formfaktor sehen Verlage in den Tablets ein großes Potenzial, das Zeitungen und Magazine ein Überleben sichern könnte.

Tablets erlauben ein entspanntes Lesen zu Hause genauso wie unterwegs. Zusätzlich kann die grafische Umsetzung eines Magazins oder einer Zeitung übernommen werden und um digitale Inhalte wie Videos angereichert werden.

Mehr punktet besser

Dem iPad sind dutzende andere Tablets auf den Fersen. Geräte, auf denen zwar nicht das Apple-Logo prangt, aber die punkto Connectivity besser sind als das „Original“.

Der große Nachteil des iPads ist nämlich, es ist punkto Anschlüsse eher spartanisch ausgestattet – will man etwa Fotos oder Videos aus seiner Digicam oder seinem Camcorder auf das iPad übertragen, benötigt man immer einen Computer. Das fällt bei den Konkurrenzprodukten weg. Die Konkurrenz will mit Zusatzausstattung punkten, vielen Anschlüssen, integrierten Kameras etc.

HP Slate

 

HP Slate


Tablet-Angebot wächst

Bis Frühjahr 2011 werden Konsumenten aus nicht weniger als drei Dutzend Tablets wählen können.

Alle namhaften Computerhersteller haben mindestens ein Tablet im Portfolio: Samsung etwa zeigt bereits sein 7 Zoll (17,8 cm) großes „Galaxy Tablet“, das selbst in Innentaschen von Sakkos Platz hat. MSI wird sein „Wind Pad“ bringen, Dell sein 5-Zoll-Mini-Tablet (13 cm)  „Streak“ und Archos sein ebenfalls 5 Zoll großes „Archos 7 Home Tablet“. HP wird im Herbst seinen „Slate“ vorstellen, Asus bringt Anfang 2011 sein „Eee Pad“ auf den Markt und Nokia – mit dem N770 hatte der finnische Hersteller ebenfalls bereits 2005 ein Tablet im Portfolio – wird spätestens im Frühjahr ebenfalls mindestens ein Produkt auf den Markt bringen, das es mit dem iPad aufnehmen kann.

XO Tablet

 

XO Tablet


Tablet unter 100 Dollar

Intel zeigte bereits einen Prototypen, auf dem das neue Betriebssystem MeeGo funktionierte. Und selbst die One-Laptop-per-Child-Initiative (OLPC), die 100-Dollar-Notebooks in Entwicklungsländer bringen wollte, hat angekündigt, ein „XO Tablet“ auf den Markt bringen zu wollen. Diesmal will man die 100-Dollar-Grenze wirklich unterschreiten, das XO Tablet soll 99 Dollar kosten.

Skype on board

Auf der vergangenen Computer-Messe „Computex“ in Taiwan Anfang Juni stellte LG sein 10 Zoll (25,4 cm) großes UX10-Tablet vor, das unter anderem über eine 120 GB große Festplatte und eine integrierte 1,3 Megapixel-Cam verfügt, die – ein Schwachpunkt beim iPad – Videotelefonie (Skype) ermöglicht. Daneben gibt es zahlreiche Hersteller, die in unseren Breiten eher unbekannt sind, wie AMtek, Viliv oder Innoversal.

Entscheidend: das Betriebssystem

Spannend wird die Frage, welches Betriebssystem sich auf den Tablets durchsetzen wird, denn neben Apples iPhoneOS gibt es noch Microsofts Windows7, HP/Palms WebOS, Nokia/Intels MeeGo und Googles Android als Option; Android dürfte die besten Karten haben, denn bei Handys hat Android das iPhone, also iPhoneOS bereits überholt, was von vielen Experten als Trendwende gesehen wird.

Reischl

Gastautor Mag. Gerald Reischl

ist Leiter des Technologie-Ressorts „Digital“ der österreichischen Tageszeitung Kurier und Autor mehrerer

Bücher wie etwa „Unter Kontrolle“. Er ist Technologie-Experte des ORF und präsentiert wöchentlich

den „Hightech-Corner“ im Rahmen der ORF-Sendung „Konkret“. Seine Website und seinen

Blog gibt es unter www.reischl.com