Web an Bord

Überall wird gesurft – Internet allerorts ist schon beinahe eine Selbstverständlichkeit. Bis 2013 werden Autos zu Internet-Terminals auf vier Rädern mutieren.

Die Altersschicht der 16- bis 35-jährigen trägt bereits viele Bezeichnungen: Generation 2.0, Generation Touchscreen, Internet- oder Handy-Generation – weil sie mitten in das technologische Zeitalter hinein geboren und mit Mobiltelefon und Web aufgewachsen sind.

 

Logisch, dass zwei Drittel der 16- bis 15-Jährigen in einer aktuellen Umfrage des US-Marketing-Unternehmens Autobytel angaben, dass ein Internet-Zugang im Auto „sehr wichtig“ bzw. „nice to have“, also „nett, wenn es das gäbe“ ist.

Web an Bord

 

Microsoft


Hauptsache surfen

Macht man diese Generation auf die Gefahren der Ablenkung aufmerksam, die durch das Surfen oder auch Telefonieren während der Fahrt entstehen, waren nur 14 Prozent der Befragten der Meinung, dass man diese Gefahr durch Sprachsteuerung minimieren könnte.

Hauptsache sei, dass das Auto im Web ist und man im Auto surfen könne. Übrigens ist jeder zweite davon überzeugt, dass ab 2013 die meisten Neuwagen bereits Web an Bord haben. Hiermit könnte die Generation 2.0 ziemlich richtig liegen, denn der Bordcomputer im Auto bekommt Gesellschaft; und damit sind nicht Navis oder Freisprecheinrichtungen gemeint, sondern das Auto wird zum Transportmittel 2.0 und ist mit einem Internet-Anschluss ausgestattet.

 

Ford, Fiat und Kia werden ihre neuen Modelle mit Microsofts Version „Auto 4.1“ ausrüsten. Touchscreens, Sprachsteuerung, virtuelle Assistenten, die Nachrichten vorlesen – in den USA hat Ford in einigen Modellreihen bereits sein Infotainment-System „Sync“ eingebaut, Kia das „UVO“-System (steht für „Your Voice“) und Fiat hat die Lösung „Blue&Me“ integriert, die ganz ordentlich funktioniert.

Ford

 

Ford


Sprachsteuerung für die Sicherheit

Per Sprachbefehl lassen sich nicht nur Musiktitel auswählen oder das Navi bedienen, sondern auch Telefonanrufe (das Handy ist via Bluetooth verbunden) tätigen.

SMS oder Twitter-Meldungen liest das System ebenfalls vor. Diese Neuerungen sollen der Sicherheit dienen. „Der Fahrer soll seine Hände am Lenkrad behalten“, meinen die Entwickler. Da das nicht immer möglich ist, wurde die Benutzerführung stark vereinfacht. Durchs Menü navigiert man auf einem Touchscreen mit großen Symbolen. Ein USB-Anschluss für einen Musik-Player ist ebenfalls an Bord von „Auto 4.1“-Fahrzeugen. Kommt es zu einem Unfall, bei dem der Airbag auslöst, wird automatisch eine Notruf-SMS abgesetzt.

 

Die Systeme kosten in den USA zwischen 200 und 300 Euro. Fords neue Sync-Version setzt noch einen drauf: Sie verwandelt den Wagen in einen WLAN-Hotspot. Entweder man steckt einen USB-Breitbandstick in das Armaturenbrett oder eine SIM-Karte in ein kleines Fach. Die Beifahrer können dann auch während der Fahrt im Internet surfen. Auf dem Display des Lenkers wird die WLAN-Funktion aber deaktiviert, sobald sich das Auto in Bewegung setzt, damit er sich nicht ablenken lässt.

Reischl

Gastautor Mag. Gerald Reischl

ist Leiter des Technologie-Ressorts „Digital“ der österreichischen Tageszeitung Kurier und Autor mehrerer

Bücher wie etwa „Unter Kontrolle“. Er ist Technologie-Experte des ORF und präsentiert wöchentlich

den „Hightech-Corner“ im Rahmen der ORF-Sendung „Konkret“. Seine Website und seinen

Blog gibt es unter www.reischl.com