Die mobile Geldbörse

MPayment

mPayment wird heuer zwar um 50 Prozent zunehmen, aber das Bezahlen im (mobilen) Web ist nach wie vor eines der ungelösten Probleme …

Ob mit Kreditkarte, Online-Überweisung, so genannten „Wallets“ Wertkarten oder per Mobile Payment wie etwa der heimischen Paybox – beim Bezahlen im Internet können die Web-User aus einer Vielzahl an Möglichkeiten wählen. Die perfekte Lösung ist allerdings noch nicht dabei, denn der Bezahlvorgang ist derzeit noch mit mehreren Klicks verbunden, ist zu umständlich und hält daher den einen oder anderen davon ab, im Web einzukaufen. Hinzu kommt die Betrugsgefahr.

Kreditkartenbetrug
Allein in den USA beträgt der Schaden durch Kreditkartenbetrug pro Jahr 200 Milliarden Dollar. Die organisierte Kriminalität in den USA, China und vor allem Russland versucht laufend, gestohlene Kreditkarten-Informationen in Geld umzuwandeln. Besonders gut eignet sich dafür das Telefonbusiness – mit gestohlenen Kreditkartendaten werden auf Telefon-Plattformen im Web Accounts geladen, der Zugang dazu wird auf der Straße verkauft.

 


Neues Bezahlsystem

„Das Bezahlen im Web ist eines der ungelösten Probleme, das jeden betrifft“, sagt der Österreicher Daniel Mattes. Er hat Ende 2010 das von ihm und Roman Scharf gegründete Web-Telefonie-Service Jajah um 145 Millionen Euro verkauft. Anfang 2011 will er mit einem neuen revolutionären Bezahlservice Jumio starten, dessen Funktionsweise noch geheim ist.

 

 

Eines für alles
Mit Jumio wird man aber überall – ob im analogen Geschäft in der Einkaufsstraße oder im Online-Store – zahlen können. Mattes dürfte jedenfalls einen Trend erkannt haben, denn Mobiles Payment, also Zahlen mit dem Handy, ist stark im Kommen. Einer aktuellen Umfrage von Gartner zufolge wird mPayment heuer im Vergleich zu 2009 um 54,5 Prozent wachsen, fast 110 Millionen Handy-User werden ihr Smartphone auch als mobile Geldbörse verwenden; übrigens auch in den Entwicklungsländern, wo das Handy ein Ersatz für das Bankkonto ist.

 

 

Lösungen für das mobile Web

Derzeit tüfteln verschiedene Firmen an Payment-Systemen für das (mobile) Web. Die drei US-Telekomriesen AT&T, Verizon und T-Mobile planen sogar ein eigenes Unternehmen, das eine praktikable Lösung für mobiles Bezahlen entwickeln soll. Die Kreditkartengesellschaften wie Visa oder Mastercard versuchen schon seit Jahren, die Kreditkartentechnologie in ein Handy zu integrieren; mit mehr oder weniger großem Erfolg: Smartphones müssen bei dieser Lösung mit einem Funkchip (RFID/Radio Frequency Identification) ausgestattet sein. Beim Bezahlen in einem Geschäft muss man das Handy dann zu einem bestimmten Terminal halten. Da es aber so gut wie keine Smartphones mit RFID-Chips gibt, ist diese Lösung eher ein Misserfolg. Zudem müsste jeder Händler mit eigenen Terminals ausgestattet sein.

 

 

Blogger -Cash

Experimente sind auch in der Blogger-Gemeinschaft im Laufen. Die Bezahlsysteme auf Micropayment-Basis nennen sich etwa Flattr oder Kachingle. Beide Systeme basieren auf Freiwilligkeit. Blogger oder Webseiten-Betreiber können einen bestimmten Flattr- oder Kachingle-Button in die Homepage integrieren. Hat sich ein normaler Web-User bei einem der beiden Systeme registriert und klickt auf den Knopf, werden kleine Cent-Beträge (10/20/30) von seinem Konto auf das Konto des Bloggers überwiesen. Da man bei diesen Systemen vom Wohlwollen des Users abhängig ist, werden sie sich in der Business-Welt wohl eher nicht durchsetzen. Aber Google bastelt an einem Micropayment-System namens „Newspass“, das Verlage künftig einsetzen sollen – beim Lesen eines Artikels soll dann Geld vom Konsumenten in die Kasse der Zeitung fließen. Welches System sich auf breiter Front durchsetzen wird, entscheiden letztendlich die Konsumenten.