Smartphones attackieren Navis

Smartphones attackieren Navis

Ab 2012 gehen die Navi-Verkäufe zurück, prognostizieren Analysten. Grund: Smartphones können immer mehr. Aber die Navi-Hersteller geben sich nicht so schnell geschlagen – sie wollen mit neuen Features punkten.

Sie wurden in den vergangenen Jahren zu einem fixen Bestandteil in unseren Autos (und Motorrädern), die Geräte von TomTom, Garmin, Navigon – um die drei Weltmarktführer zu nennen. Doch die Gerätegattung „Navigationsgerät“ wird in den kommenden Jahren am Markt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, da praktisch jedes Smartphone GPS integriert und so die Funktion eines Navis übernehmen kann, kommt das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Berg Insight zum Schluss. Hinzu komme, dass in den neuen Automodellen das Navigationsgerät bereits Teil der Ausstattung ist, ähnlich wie es das Autoradio wurde.

Google Maps Navigation

Ab 2012 geht es bergab

Berg Insight prognostiziert, dass es nach 2010 (mit geschätzten 40 Millionen Navi-Verkäufen) 2011 mit 42 Millionen verkauften Geräten weltweit noch einmal ein Rekord aufgestellt wird.

Danach geht es aber stark nach unten. 2015 sollen es laut Berg-Insight-Schätzung nur noch 30 Millionen Geräte weltweit werden. Für das Navi-Sterben seien vor allem Smartphones verantwortlich, nachdem Google (Google Maps Navigation) und Nokia (Ovi Maps) die Navigations-Funktion kostenlos in ihr Betriebssystem (Google/Android) integriert haben. Laut Analyse-Experten der Gartner Group wurden bislang 45 Millionen Android-Phones verkauft, die meisten User verwenden ihr Gerät als Navi im Auto.

Ovi Maps

Neue Features

Die Navigationsgeräte-Weltmarktführer Garmin und TomTom geben sich allerdings noch nicht geschlagen und versuchen nun mit Echtzeit-Navigation zu punkten, die sie in Automarken wie Mazda, Fiat oder Renault einbauen.

„Natürlich ist GPS eine fixe Funktion in Smartphones, aber das bedeutet noch lange nicht, dass unser Business zu Ende geht“, so André Malm, Analyst von Berg Insight in Göteborg. „Man wird umdenken müssen.“ Die Navi-Hersteller versuchen auch mit 3D-Darstellung und Sprachsteuerung Kaufargumente für ihre Produkte zu liefern.

 

 

Beispiel iPod

Dass es aber auch in der Hightech-Branche zu einer Kannibalisierung kommt, zeigt Apple vor – durch iPhone und iPad sind die Verkäufe des klassischen Musikplayers iPod zurückgegangen.

Bei den Digicams war es ebenso. Da in Smartphones immer bessere Kameras integriert sind, verzichten Schnappschuss-Fotografen auf eine Digicam. 125 Millionen Digicams wurden laut Berg Insight zwar 2009 verkauft – im Jahr davor waren es noch 140 Millionen.

Ovi Maps

Stau - gewusst wo

Leicht werden es Garmin & Co. dennoch nicht haben, denn Echtzeit-Navigation ist auch für Google, Nokia und Apple nichts Unmögliches, immerhin arbeiten sie mit der Handy-Branche intensiv zusammen.

TomTom kooperiert bei seinem „Real-time-Service“ mit Vodafone – das anonymisiert die Daten ihrer User zur Verfügung stellt. Dort, wo sich viele Handy-User gleichzeitig aufhalten und sich langsam fortbewegen, kann man (wenn die User auf Straßenkarten projiziert werden) von Stau bzw. Verkehrsbehinderungen ausgehen.

 

Zweitgeräte im Kommen

Im Navi-Wettkampf wollen sich die Hersteller trotz allem nicht geschlagen geben. Sie gehen davon aus, dass es noch viele Kunden gibt, die – sollte die Navi-Funktion nicht eine Standardausstattung im Auto sein – zu einem zweiten Gerät greifen. Ähnlich wie es auch einen Trend zum Zweithandy gebe.