Mädchen und junge Frauen
in technischen Berufen

Mädchen und Technik: Junge Frauen in technischen Berufen

Junge Frauen in technischen Berufen – zwar immer noch eine eher seltene Konstellation, doch der Trend ändert sich. Und die Chancen stehen gut, denn der Bedarf der Unternehmen nach qualifizierten und motivierten jungen Menschen in technischen Bereichen wird immer höher. Gerade hier möchten wir anknüpfen und mit Informationen und Projekten den Übergang von der Schule in technische Berufe für Mädchen und junge Frauen ebnen.

Mädchen und Technik: Denise Bertelmann

Denise Bertelmann startete im September 2012 ihre Ausbildung als Mechanikerin bei Festo. Obwohl sich der Trend ändert, ist sie als Frau in einer typischen Männerdomäne immer noch eine Ausnahme. Für die Auszubildende war das allerdings kein Hindernis, auch wenn sie nicht von Anfang an einen technischen Beruf gewählt hatte. Die Entscheidung zu diesem Schritt bereut sie nicht.


 

Blaumann statt Businesslook

Es ist laut, staubig und der Umgangston etwas rauer. Wenn Denise Bertelmann ihren Arbeitsplatz betritt, begegnen ihr keine Schlipsträger auf dem Weg ins Büro oder Frauen im Businesslook, sondern hauptsächlich Männer im blauen Anzug in Richtung der Produktionshallen. Dann heißt es für sie: Ran an den Stahl. Momentan feilt die Auszubildende täglich mehrere Stunden an einem U-Stahl bis es spiegel glatt ist. Das erfordert höchste Konzentration, Maßarbeit und bringt sie ganz schön ins Schwitzen.

 

Wenn die Auszubildende nicht gerade am Feilen und Polieren ist, dann sitzt sie in der Berufsschule und eignet sich den Stoff für die mechanische Grundausbildung an. Eine komplett neue Welt für die ehemalige Studentin, wenn man bedenkt, dass sie eigentlich eine ganz andere Laufbahn eingeschlagen hatte. Angefangen hatte die 27-Jährige vor einigen Jahren mit einem Studium der Germanistik und Anglistik. Doch zufrieden war sie mit dieser Wahl nie.

 

„Es kam mir früher einfach nicht in den Sinn einen technischen Beruf auszuüben. Ich wollte mich den anderen Mädels anschließen und habe nach dem Abitur eben auch wie die meisten ein Studium begonnen. Ich wusste von Beginn an, dass das nicht das Richtige für mich war. Ich wollte aber nicht gleich alles hinwerfen.“

 

Es brauchte einige Semester bis die damalige Studentin allen Mut zusammen bringen konnte und die berufliche Richtung wechselte. Heute bedauert sie, dass sie nicht schon damals auf ihren Vater hörte. Er hatte schon früh ihr Interesse an Technik erkannt, stand aber dennoch hinter ihrer Entscheidung für das Studium. „Die späte Erkenntnis Mechanikerin zu werden, kam zwar unerwartet für alle, aber der Wunsch war einfach da und ist geblieben,“ so Denise Bertelmann.

 

Praktische Erfahrungen im Ferienjob

Der Neuanfang war jedoch keine Kurzschlussreaktion. Schon nach dem Abitur und während den Semesterferien arbeitete sie in der Produktion von Festo, um ihr Taschengeld aufzubessern. Somit war ihr die handwerkliche Arbeit in einem hauptsächlich von Männern besetzten Umfeld alles andere als fremd. „Ich habe in dieser Zeit so vieles dazugelernt, wovon ich jetzt profitieren kann. Und wenn ich am Ende das fertige Produkt sehe, das ich mit meinen Händen mühevoll bearbeitet habe, dann weiß ich, dass ich hier richtig bin“, erzählt sie stolz.

 

Nun hat die Ausbildung begonnen und die Begeisterung lässt nicht nach. Die frisch gebackene Auszubildende bereut diesen Schritt nicht. Die Kollegen sind freundlich und helfen, wenn es einmal klemmt. Der familiäre Umgang hat ihre Entscheidung bekräftigt. Denise Bertelmann überzeugten aber auch die praxisnahen Aus-und Weiterbildungsmöglichkeiten des Unternehmens, das viel für die Qualifizierung von Mitarbeitern unternimmt. Dass sie es in ihrem Arbeitsfeld fast ausschließlich mit männlichen Kollegen zu tun hat, stört sie dabei nicht. „Ich muss mich wie jeder andere täglich in meiner Arbeit beweisen und zeigen, dass ich was kann. Die lustige Art meiner männlichen Kollegen ist dabei immer sehr erfrischend.“

 

Der Schritt in die technische Richtung zeigte Denise Bertelmann, dass es nie zu spät ist, etwas Neues in Angriff zu nehmen. „Anfangs haben einige an meiner Entscheidung gezweifelt und nicht an mich geglaubt. Umso mehr bin ich nun motiviert, mit besten Leistungen meine Ausbildung abzuschließen.“

 

Der erste Schritt von vielen

Die Auszubildende hat noch große Ziele. Sie strebt nach der mechanischen Grundausbildung eine Weiterbildung zur Technikerin an. Damit geht sie anderen unentschlossenen Mädchen mit gutem Beispiel voran und zeigt: Mit der richtigen Motivation und Begeisterung lässt sich vieles erreichen und „man darf sich nicht Weis machen lassen, Technik sei nichts für Frauen.“