Frischer Wind durch alte Pfeifen

Artikel vom 25. November 2016 

Automatische Bewegung von Blasebälgen mit Elektromotoren

Ob majestätisch oder schlicht, filigran oder komplex, ob klassisch in der Kirche oder in der modernen Rockmusik: Die Orgel ist die Königin der Musikinstrumente. In ihrer Klangvielfalt bleibt sie unübertroffen. Während bei modernen Orgeln der Ton elektronisch erzeugt wird, ist bei den klassischen Instrumenten nach wie vor die Luft tonangebend. Die mühevolle Arbeit der Winderzeugung übernehmen aber anstelle der menschlichen Muskelkraft inzwischen Maschinen.

Der Klang einer Orgel wird durch ihre unterschiedlich großen Pfeifen erzeugt, die durch einen konstanten Luftstrom angeblasen werden. Entweder entsteht der Ton – ähnlich wie bei einer Blockflöte – indem die Luft durch einen schmalen Spalt gegen eine Kante, das Labium, geblasen wird, oder über ein schwingendes Zungenblatt im Inneren der Pfeife, wie man es von Klarinetten kennt.

Blasebalg erzeugt Orgelwind

Die dafür notwendige komprimierte Luft, der so genannte Orgelwind, wurde bis vor rund 100 Jahren durch Blasebälge erzeugt, die mit den Füßen getreten wurden. Bei großen Instrumenten waren bis zu zwölf Personen notwendig, die diese schweißtreibende Arbeit verrichteten. Erst mit Aufkommen der Elektrizität kamen im Orgelbau zunehmend elektrische Gebläse zum Einsatz, die im Vergleich zu den fußbetriebenen Blasebälgen einen sehr konstanten und ruhigen Luftstrom erzeugten. Gleichzeitig war es aber immer eine Herausforderung, den elektrischen Winderzeuger so zu konstruieren, dass er auch bei leisen Musikstücken nicht zu hören ist.

Orgelautomation

Elektromotoren als Balgantrieb

Bei der Restaurierung alter Instrumente erhalten Orgelbauer jedoch nach Möglichkeit die historischen Balganlagen, um den Klang der Orgel in seiner ursprünglichen Form zu bewahren. Um dennoch den Orgelwind automatisiert erzeugen zu können, kommen oft Elektromotoren zum Einsatz, welche die Bälge anstelle eines menschlichen Helfers auf und ab bewegen. So auch bei einem historischen Exemplar der Hochschule für Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg, die 1752 von Antonio Pilotti aus Bologna in typischer italienischer Bauweise gefertigt wurde und im Zuge ihrer Restaurierung eine automatische Balgaufzugsanlage erhalten hat.

Die Vorgabe für die ausführende Orgelwerkstatt Jörg Bente war, dass die ursprüngliche historische Funktion erhalten werden musste und die Orgel weder eine Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), noch weitere Steuerelemente außer dem Hauptschalter erhalten sollte. In Zusammenarbeit mit den Experten von Festo entschied man sich schließlich für elektrische Motoren der Baureihe EMMS-AS-70 sowie Controller der Baureihe CMMP, die die Motoren ansteuern.

Orgelautomation

Eine raffinierte Verkabelung und Auslegung des Controllers sorgt für einen absolut geräuscharmen Betrieb, sodass der Musikgenuss auch bei den leisesten Klängen nicht gestört wird. Die Lösung von Festo ermöglicht zudem einen dynamischen Wechsel zwischen den Spielpausen mit geringem Luftverbrauch und vollem Einsatz mit hohem Luftverbrauch: Der geforderte Luftdruck von 4,5 Millibar bleibt konstant, da einer der beiden Bälge immer genügend Luftreserve vorhält.

Automation in der Musikhochschule

Seit Ende Juli 2014 ist das restaurierte Instrument mit automatisierter Balgaufzugsanlage in den Räumen der Hochschule in Regensburg erfolgreich im Einsatz. Im Rahmen des Unterrichts wird die Orgel seither für die authentische Wiedergabe italienischer Musik des 18. Jahrhunderts genutzt. Moderne Technik von Festo trägt dazu bei, dass ein Stück historische Musikkultur lebendig bleibt.