Auf dem Weg nach Le Mans

Artikel vom 28. Februar 2020 

Rennwagen

Das Rennen von Le Mans ist legendär. Innerhalb von 24 Stunden müssen möglichst viele Runden zurückgelegt werden, wobei sich drei Fahrer abwechseln. Dank einer pneumatischen Rennwagensteuerung mit Festo Technologie können Rennfahrer mit und ohne Handicap jetzt in ein- und demselben Sportwagen am Rennen teilnehmen.

Gas geben, schalten, kuppeln und bremsen: Während eines Autorennens sind gewöhnlich sowohl die Arme als auch die Beine der Fahrer im Dauereinsatz. Nicht so beim britischen Motorsportteam BRIT. Es hat gemeinsam mit dem slowenischen Unternehmen MME Motorsport und Festo ein System entwickelt, mit dem sich die Rennwagen flexibel entweder per Fuß oder per Hand bedienen lassen.

Das Team BRIT besteht aus körperlich eingeschränkten Fahrern, die an regulären Rennen teilnehmen und sich mit Fahrern ohne Handicap messen. Die Sportler waren bereits in der Rennsaison 2015/2016 bei der Langstreckenserie Britcar Endurance und dem Silverstone 24-Stunden-Rennen dabei. Das Ziel für 2020: Die Teilnahme am legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Steuerung

Mit dem flexiblen Steuerungssystem können die Fahrer vom Team BRIT den Rennwagen individuell bedienen – je nach Art der körperlichen Beeinträchtigung. Gas, Bremsen, Schaltung und Kupplung lassen sich sowohl mit Fußpedalen als auch mit Hebeln am Lenkrad ansteuern. Das spezielle Lenkrad kann darüber hinaus bei Bedarf wieder abgesteckt und durch ein klassisches ersetzt werden.

Flexibles Steuerungssystem: Die Fahrer können Gas, Bremsen, Schaltung und Kupplung sowohl mit Pedalen als auch mit Hebeln am Lenkrad bedienen.
Flexibles Steuerungssystem: Die Fahrer können Gas, Bremsen, Schaltung und Kupplung sowohl mit Pedalen als auch mit Hebeln am Lenkrad bedienen.

Die Handhabung von Bremsen, Schaltung und Kupplung erfolgt mit Automatisierungstechnik von Festo. Ein pneumatischer Proportionalzylinder steuert das hydraulische Bremssystem und ermöglicht den Fahrern, die Bremsen an der Vorder- und Hinterachse getrennt zu bedienen. Auch bei der Schaltung des sequentiellen Getriebes (Halbautomatik) sowie beim Ein- und Auskuppeln sind pneumatische Zylinder im Einsatz.

Einsatz in Fahrsimulatoren und im Straßenverkehr denkbar

Das neue System soll in Zukunft nicht nur die Welt des Motorsports für körperlich eingeschränkte Fahrer zugänglich machen, sondern auch Verwendung in Fahrsimulatoren finden. Im Straßenverkehr ist das flexible Lenkrad ebenfalls denkbar. Dort könnte es Menschen mit Handicap erleichtern, Fahrzeuge zu mieten oder Probefahrten zu machen.

Das speziell angepasste Lenkrad lässt sich bei Bedarf wieder abstecken und durch ein klassisches ersetzen – wodurch sich der Rennwagen flexibel für Fahrer mit und ohne Handicap anpassen lässt.
Das speziell angepasste Lenkrad lässt sich bei Bedarf wieder abstecken und durch ein klassisches ersetzen – wodurch sich der Rennwagen flexibel für Fahrer mit und ohne Handicap anpassen lässt.

Und wie geht es weiter mit Le Mans 2020? Das Team BRIT hat nach strengen Tests und erfolgreichem Einsatz während einiger Rennen volles Vertrauen in die Technologie gewonnen und holt sich nun die formale Sicherheitszulassung durch den MSA, den Dachverband des Motorsports, ein. Dann steht dem 24-stündigen Fahrspaß nichts mehr im Wege.