04.05.2016

Weiterbildung für Techniker: In Österreichs Betrieben keine Selbstverständlichkeit

Weiterbildung für Techniker: In Österreichs Betrieben keine Selbstverständlichkeit

Festo Didactic
Weniger als die Hälfte der österreichischen Industrieunternehmen hat ihren technischen Mitarbeitern in den letzten 12 Monaten...

Weniger als die Hälfte der österreichischen Industrieunternehmen hat ihren technischen Mitarbeitern in den letzten 12 Monaten Weiterbildung angeboten. Insbesondere in KMUs gibt es selten proaktive Weiterbildungspolitik. Dabei wären viele Mitarbeiter sogar bereit, in ihre Aus- und Weiterbildung durch Geld oder Freizeit mit zu investieren. Diese Bereitschaft wird von Human Resources (HR) aber kaum aufgegriffen. Viele Unternehmen, die ihren Technikern Weiterbildung anbieten, setzten aber bereits auf zukunftsorientierte Themen wie Kommunikation/Teamfähigkeit, Mechatronik-Know how und Datenkommunikation/-sicherheit.

 

 

Weiterbildung für technische Mitarbeiter ist in Österreichs Industriebetrieben noch immer keine Selbstverständlichkeit. Dies ergab das Trendbarometer Industriemitarbeiter, das von Festo gemeinsam mit Gallup durchgeführt wurde. 48 Prozent der über 400 befragten Mitarbeiter aus dem technischen Bereich geben an, dass sie in den vergangenen 12 Monaten kein Weiterbildungsangebot von ihrem Arbeitgeber erhalten haben. Lediglich 47 Prozent erinnern sich, ein solches bekommen zu haben. Fragt man allerdings nach dem konkreten Thema der Weiterbildung, dann ändert sich das Bild noch einmal deutlich. Denn ein Viertel von jenen, die angeben ein Weiterbildungsangebot erhalten zu haben, konnte kein konkretes Thema nennen. „Das legt den Schluss nahe, dass sogar nur etwa ein Drittel der befragten Personen Aus- und Weiterbildung im vergangenen Jahr seitens ihres Arbeitgebers angeboten bekommen hat“, so Katharina Sigl, Leiterin Festo Didactic Österreich.

 

Ob eine zeitgemäße Weiterbildungspolitik betrieben wird, ist laut Umfrage auch von der Größe und dem Innovationsgrad des Arbeitgebers abhängig. Innovative Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern agieren in der Aus- und Weiterbildung proaktiver als kleinere, konservativere Firmen. Rainer Ostermann, Country Manager Festo Österreich: „Das Rückgrat von Österreichs Wirtschaft sind die KMUs. Es ist deshalb für eine prosperierende Wirtschaft und für unseren zukünftigen Wohlstand enorm wichtig, dass auch diese Unternehmen ihre Mitarbeiter zukunftsfit machen und sich für die Anforderungen von Industrie 4.0 rüsten. Aus- und Weiterbildung müssen integrative Bestandteile der Arbeit werden. Denn laut dem Futurologen Alvin Toffler werden in Zukunft jene Personen als ‚ungebildet‘ gelten, die nicht ständig (um-)lernen. Und dabei wird immer wichtiger, nicht nur theoretisches Wissen – also Know-how – sondern vor allem auch Umsetzungskompetenz – also Do-how – zu besitzen.“

 

Soft Skills und vernetztes Denken für Techniker immer wichtiger

An der Spitze der angebotenen Weiterbildungsmaßnahmen stehen laut Umfrage Kommunikation/Teambildung (28 Prozent), Mechatronik (22 Prozent) und Datenkommunikation und -sicherheit (21 Prozent). Ein Ergebnis, das Katharina Sigl begrüßt: „Kommunikative Fähigkeiten und Social Skills sind in der vernetzen Welt von entscheidender Bedeutung. Und Mechatroniker sind immer stärker gefragt, weil sie nicht nur Teilbereiche, sondern das „große Ganze“ vor Augen haben. Eine vernetzte Sichtweise ist die Voraussetzung, um Produktionsabläufe der Industrie 4.0 zu verstehen.“

 

Die Industriemitarbeiter selbst sind sich der Bedeutung von Weiterbildung scheinbar bewusst. Sie sind sogar bereit dafür selbst zu bezahlen. Bei Pflicht-, Berufs- und Fachschulabgänger sind 35 Prozent dazu bereit, bei Maturanten 31 Prozent und bei Mitarbeitern mit universitärem Abschluss sogar 48 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Bereitschaft Freizeit zur Verfügung zu stellen. Beachtliche 62 Prozent wären bereit, ihre Freizeit zu investieren, wenn die Finanzierung der Aus- und Weiterbildung durch den Arbeitgeber erfolgt. Auch hier zeigt sich: Je höher der formale Bildungsabschluss, desto größer ist die Bereitschaft, Freizeit zu investieren.

 

Human Resources wollen Freizeit aber kein Geld von Mitarbeitern für Bildung

Für das Festo Trendbarometer Industriemitarbeiter wurden auch die Human Resources (HR)-Verantwortlichen zum Thema Aus- und Weiterbildung der Techniker in ihren Unternehmen befragt. 61 Prozent gaben an, ihren Mitarbeiter in den letzten 12 Monaten Weiterbildungsangebote gemacht zu haben. Bei Nachfragen der Themen relativiert sich allerdings wie bei den Mitarbeitern auch im HR-Bereich die erste Angabe. Bereinigt konnten nun nur mehr 53 Prozent Angaben zu den Themen machen, 47 Prozent nicht. „Dies unterstreicht die Aussage der Mitarbeiter und belegt, dass nur bei etwa einem Drittel bis maximal der Hälfte der Industrieunternehmen Weiterbildung proaktiv betrieben wird“, zeigt sich Sigl betroffen.

 

Die Bereitschaft der Mitarbeiter in ihre Weiterbildung mit zu investieren, wird von den Firmen noch nicht aufgegriffen. Nur 9 Prozent der HR-Verantwortlichen gibt an, dass ihr Unternehmen erwartet, dass Mitarbeiter Weiterbildung aus eigener Tasche bezahlen, 62 Prozent meinen „sicher nicht“. Deutlich weniger zurückhaltend sind die Unternehmen aus Sicht der HR-Verantwortlichen, wenn es um die Nutzung der Freizeit zur beruflichen Weiterbildung der Mitarbeiter geht. Immerhin 41 Prozent geben an, dass sie von den Mitarbeitern erwarten, Freizeit zur Verfügung zu stellen, wenn das Unternehmen die Finanzierung übernimmt. 22 Prozent schließen aber auch dies mit einem „sicher nicht“ aus. Katharina Sigl: „Mitarbeiter und Unternehmen werden in Sachen Aus- und Weiterbildung künftig immer stärker gemeinsam an einem Strang ziehen müssen. Dabei sind Ideen, Wege und Rahmenbedingungen gefordert, die allen Beteiligten entgegenkommen. Für HR bedeutet das eine notwendige Weiterentwicklung vom strategischen Kompetenzmanagement zum agilen Kompetenzmanagement. Nur so ist die erforderliche Changeability (Fähigkeit zur Veränderung) auf breiter Front gewährleistet.“

Ansprechpartner:

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