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Wie sieht es denn aus, wenn es darum geht, ganz abstraktes
Fachwissen zu pauken? Gibt es hier aus Sicht der Hirnforschung
bestimmte Techniken, die mir dabei helfen?
Spitzer:
Unser Gehirn lernt immer auf die gleiche Weise. Es
macht keinen Unterschied zwischen Erfahrung und Lernen. Aber
natürlich gibt es Lerntechniken, die gut, und solche, die weniger
gut funktionieren. Zum Beispiel ist die Technik des pausenlosen
Wiederholens eine ganz schlechte Strategie. Besser ist es, sich
den Stoff in kleine Portionen einzuteilen.
Wichtig ist natürlich auch eine ruhige Lernumgebung ohne Ab-
lenkung, weil man seine Aufmerksamkeit nicht mehreren Dingen
gleichzeitig widmen kann. Studien über das sogenannte mediale
Multitasking sprechen hier ein klare Sprache: Wer lernt und
nebenher den Fernseher laufen lässt oder seine Facebook-
Kontakte pflegt, kommt erheblich langsamer voran und macht
deutlich mehr Fehler. Und noch etwas ist wichtig: Wenn man
den Stoff gelernt hat, braucht das Gehirn noch eine gewisse
Zeit, um die neuen Informationen in Form von synaptischen
Umbauprozessen zu verfestigen. Dabei spielt übrigens Schlaf
eine ganz zentrale Rolle. Im Tiefschlaf und Traumschlaf wird
Wissen konsolidiert. In dieser Zeit wird reanalysiert, kompri-
miert, kodiert und umkodiert. Das neu Gelernte wird mit dem
verbunden, was schon da ist. Das dauert rund 90 Minuten und
geschieht vier bis fünf Mal pro Nacht. Es gibt also nichts Düm-
meres, als die Nacht durchzumachen, wenn Sie am nächsten
Tag eine Prüfung haben. Sie hindern Ihr Gehirn daran, nachts
zu wiederholen, was am Tag zuvor gelernt wurde.
„Sie können das Gehirn nicht
daran hindern, dass es lernt“
Manfred Spitzer
Lässt sich die eigene Lernfähigkeit beispielsweise durch Sport
verbessern?
Spitzer:
Absolut. Wir wissen heute, dass Sport aus einer ganzen
Reihe von Gründen für die Leistungsfähigkeit wichtig ist. Wer
sich körperlich fit hält, fördert das Wachstum der Neuronen im
Gehirn. Deshalb sollte man das Wort ‚Gehirnjogging‘ sehr wört-
lich nehmen: Wenn Sie joggen, ist das nicht nur gut für Ihren
Kreislauf, sondern auch für Ihr Gehirn.
Wie wichtig sind Emotionen fürs Lernen?
Spitzer:
Ganz wichtig. Emotionen sind Bewertungshilfen. Durch
sie wissen wir, was gut oder schlecht für uns ist. Deshalb sorgen
sie für blitzschnelle Lerneffekte. Ein Kind, das seine Hand auf die
heisse Herdplatte legt, macht das genau einmal. Warum? Weil es
schmerzhaft ist und das Kind diesen Schmerz kein weiteres Mal
erleben möchte. Negative Emotionen machen Angst. Das ist ei-
nerseits gut, wenn es um heisse Herdplatten geht. Andererseits