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Die Weisheit der vielen
Eigenständiger Wissenserwerb ist das eine,
doch wie lassen sich Erfahrungen und Ideen
vieler Menschen zu neuen Konzepten und
Lösungen zusammenführen? Immer öfter
machen Begriffe wie „Open Innovation“ und
„Crowdsourcing“ die Runde. Mittlerweile ver-
suchen viele Unternehmen, mit ihrer Hilfe den
technologischen Tunnelblick zu weiten. Prof.
Dr. Frank Piller, Inhaber des Lehrstuhls für
Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunk-
ten Technologie und Innovationsmanagement
der RWTH Aachen, spricht im Interview mit
trends in automation über die innovativen
Konzepte und die Bedeutung der so genannten
Lead-User.
trends in automation:
Was ist Open Innovation?
Prof. Dr. Frank Piller:
Neueste Studien zeigen, dass in den meisten Branchen
funktional neue Entwicklungen von den Kunden ausgehen. Das sind aber
oft keine tiefgreifenden Innovationen, sondern Verbesserungen bestehender
Technologien. Echte Neuentwicklungen gehen von den so genannten Lead-
Usern aus. Open Innovation versucht, diese Menschen aufzuspüren und in
den Innovationsprozess eines Unternehmens mit einzubeziehen.
Das hört sich einfach an.
Piller:
Stimmt, ist es aber nicht, da es sich bei Lead-Usern nicht um unmittel-
bare Kunden eines produzierenden Unternehmens handelt, sondern oft um
Menschen, die nur indirekt oder sogar überhaupt nicht in Kontakt mit dem-
selben stehen. Doch möglicherweise ist ein völlig Branchen- und Fachfremder
in der Lage, eine Problemstellung auf eine absolut innovative Art zu lösen, auf
die Technologie-Insider auf Grund ihres begrenzten Erfahrungshorizonts ein-
fach nicht kommen können.
Wie findet man Lead-User?
Piller:
Eine probate Möglichkeit ist das Ausschreiben von Ideen-Wett-
bewerben. Entweder klassisch über Print-Medien oder immer öfter auf
Online-Plattformen.
Kann man Open-Innovation-Ideen von Lead-Usern eins zu eins übernehmen?
Piller:
Nein, Unternehmen, die die Kreativität von Lead-Usern in neue Kon-
zepte umsetzen wollen, müssen diese mit der Erfahrung der bestehenden
Kunden abgleichen. Nur so können marktfähige Produkte und Lösungen
entstehen.
Das klingt alles überaus positiv, gibt es auch einen Haken an der Sache?
Piller:
Ich würde es nicht Haken nennen. Aber es braucht neue Prozesse,
welche die Ergebnisse von Open Innovation erfolgreich auf die eigenen Struk-
turen eines Unternehmens übertragen. Nur wenn diese richtig implementiert
werden, kann Open Innovation auf Dauer sein volles Potenzial entfalten.
Open Innovation
Joggen ist nicht nur gut
für den Kreislauf,
sondern auch fürs Gehirn, so Erkenntnisse
aus der Hirnforschung (siehe Seite 10).
Prof. Dr. Frank Piller,
RWTH Aachen